Füllwörter in wissenschaftlichen Texten: Die 20 häufigsten Wörter, die du streichen kannst

Lesedauer: 7 Minuten | Für: Studierende in der Überarbeitungsphase

Du liest deine Masterarbeit nach Wochen intensiver Arbeit noch einmal – und stolperst über Sätze wie „Es ist im Grunde genommen durchaus bekannt, dass soziale Medien gewissermaßen einen gewissen Einfluss auf das Kommunikationsverhalten haben“. Solche Formulierungen klingen im ersten Moment wissenschaftlich vorsichtig. Tatsächlich rauben sie deinem Text Präzision und Kraft.

Füllwörter sind das Unkraut akademischer Texte: Sie breiten sich unbemerkt aus, verdrängen klare Aussagen und kosten deine Leser*innen Zeit. Das Tückische ist, dass viele dieser Wörter beim Schreiben wie legitime Abschwächungen oder Verstärkungen wirken. Beim zweiten Lesen entpuppen sie sich als reiner Ballast.

In diesem Artikel lernst du die 20 häufigsten Füllwörter in Abschlussarbeiten kennen, erfährst, wann Abschwächungen tatsächlich sinnvoll sind – und bekommst eine systematische Methode, um sie in deinem eigenen Text aufzuspüren.

Was Füllwörter sind – und warum sie deinem Text schaden

Füllwörter (auch: Flickwörter oder Blähwörter) sind Wörter, die weder grammatisch notwendig noch semantisch bedeutsam sind. Sie lassen sich streichen, ohne dass sich der Sinn des Satzes ändert. Genau das unterscheidet sie von Modalpartikeln (kleinen Wörtern wie „ja“, „doch“ oder „eben“, die in der gesprochenen Sprache feine Bedeutungsnuancen setzen) – letztere kommen in wissenschaftlichen Texten ohnehin selten vor.

Das Problem mit Füllwörtern ist mehrschichtig. Erstens verwässern sie deine Aussagen. Ein Satz wie „Die Ergebnisse zeigen durchaus eine gewisse Tendenz“ wirkt vorsichtig, sagt aber nichts Konkretes aus. Zweitens verlängern sie deinen Text ohne Erkenntnisgewinn: In einer durchschnittlichen Bachelorarbeit lassen sich durch konsequente Füllwortstreichung etwa 10 bis 15 Prozent einsparen. Drittens suggerieren sie Präzision, die nicht gegeben ist. Wer „relativ häufig“ schreibt, verschiebt die Verantwortung der Quantifizierung auf die Lesenden – und das ist wissenschaftlich unsauber.

Merke:

Füllwörter zu streichen bedeutet nicht, deinen Stil zu verflachen. Es bedeutet, Präzision zu gewinnen.

Die 20 häufigsten Füllwörter in Abschlussarbeiten

Die folgenden zwanzig Wörter findest du in nahezu jeder studentischen Abschlussarbeit. Sie gruppieren sich in vier Kategorien, die unterschiedliche Funktionen vortäuschen – und fast immer ohne Verlust gestrichen werden können.

Abschwächende Partikel (1–7)

Diese Gruppe vermittelt scheinbare wissenschaftliche Vorsicht, verwässert tatsächlich aber präzise Aussagen:

1. gewissermaßen
2. sozusagen
3. quasi
4. mehr oder weniger
5. in gewisser Weise
6. im Grunde genommen
7. praktisch (im Sinne von „quasi“)

Typisches Beispiel: „Bourdieus Habitustheorie bildet gewissermaßen den theoretischen Rahmen der Arbeit.“ Streiche „gewissermaßen“ – die Aussage wird präziser, nicht schwächer: „Bourdieus Habitustheorie bildet den theoretischen Rahmen der Arbeit.“

Vermeintliche Präzisierungen (8–10)

Diese Wörter suggerieren Differenzierung, ohne eine vorzunehmen:

8. eigentlich
9. grundsätzlich
10. relativ

„Die Methode ist eigentlich valide“ – was heißt das? Valide oder nicht? „Die Ergebnisse sind relativ konsistent“ – relativ wozu? Entweder du präzisierst („konsistent in 18 von 20 Fällen“) oder du streichst.

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Scheinwissenschaftliche Verstärker (11–16)

Diese Modalwörter sollen Autorität verleihen, signalisieren aber oft das Gegenteil:

11. durchaus
12. sicherlich
13. zweifellos
14. bekanntlich
15. offensichtlich
16. gewiss

Wer „zweifellos“ schreibt, ruft den Zweifel erst herbei. Wer etwas als „bekanntlich“ einführt, umgeht die Belegpflicht. Streiche diese Wörter – oder belege die Aussage ordentlich mit einer Quelle.

Überflüssige Intensivierer (17–20)

Diese Steigerungen wirken bei häufigem Einsatz abgegriffen:

17. sehr
18. äußerst
19. höchst
20. ziemlich

„Die Studie zeigt sehr deutliche Ergebnisse“ – deutlicher als was? Intensivierer ohne Vergleichsmaßstab blähen den Text auf, ohne Erkenntnis hinzuzufügen.

Merke:

Nicht jedes dieser zwanzig Wörter ist in jedem Kontext verzichtbar. Aber in drei von vier Fällen lässt sich streichen.

Wann Füllwörter legitim sind

Pauschale Verbote sind unwissenschaftlich. Es gibt Kontexte, in denen vermeintliche Füllwörter ihre Berechtigung haben.

Bei bewusstem Hedging in qualitativer Forschung. Mit Hedging ist die sprachliche Abschwächung wissenschaftlicher Aussagen gemeint – also die explizite Markierung, wie sicher eine Schlussfolgerung ist und wie weit ihre Reichweite trägt. Wenn auf Basis von fünf Interviews keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden können, ist „tendenziell“ oder „in der untersuchten Stichprobe“ keine Schwäche, sondern methodische Ehrlichkeit. Achte jedoch auf die Abgrenzung: „Die Interviews deuten auf einen Zusammenhang hin“ ist angemessenes Hedging. „Die Interviews deuten gewissermaßen auf einen gewissen Zusammenhang hin“ ist Füllwort-Stapelung.

In direkten Zitaten bleiben Füllwörter selbstverständlich unangetastet. Wenn eine befragte Person in einem Interview „durchaus“ sagt, wird das genau so zitiert.

Bei epistemisch begründeten Abschwächungen: „Die vorliegenden Daten legen nahe, dass…“ oder „Dies spricht dafür, dass…“ sind keine Füllwörter, sondern präzise Markierungen des Evidenzgrades.

Merke:

Der Unterschied zwischen Hedging und Füllwort liegt in der methodischen Begründung. Wer eine Abschwächung rechtfertigen kann, sollte sie behalten.

Vorher/Nachher: Texte um 15 Prozent kürzen

Beispiel 1: Kommunikationswissenschaft

Mit Füllwörtern (43 Wörter)

„Es ist im Grunde genommen durchaus bekannt, dass soziale Medien gewissermaßen einen gewissen Einfluss auf das Kommunikationsverhalten junger Menschen haben, wobei dieser Einfluss sicherlich relativ stark ausgeprägt ist und offensichtlich auch das Selbstbild der Nutzer*innen ziemlich deutlich prägt.“

Überarbeitet (23 Wörter)

„Soziale Medien beeinflussen das Kommunikationsverhalten junger Menschen. Dieser Einfluss prägt auch das Selbstbild der Nutzer*innen – in welchem Ausmaß, zeigen die empirischen Befunde.“

Die Streichung von neun Füllwörtern halbiert den Text und macht die Aussage präziser – ohne methodische Aussagekraft zu verlieren.

Beispiel 2: Bildungswissenschaft

Mit Füllwörtern (25 Wörter)

„Die Methode ist eigentlich durchaus geeignet, um grundsätzlich die relativ komplexen Zusammenhänge zwischen Habitus und Bildungserfolg zweifellos empirisch untersuchen zu können.“

Überarbeitet (15 Wörter)

„Die Methode eignet sich, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Habitus und Bildungserfolg empirisch zu untersuchen.“

Fünf Füllwörter gestrichen, 40 Prozent kürzer – und inhaltlich identisch.

So findest du Füllwörter systematisch

Die Identifikation von Füllwörtern gelingt am besten in der Überarbeitungsphase, nicht beim Erstschreiben. Ein bewährter Dreischritt:

Erstens: Suchfunktion nutzen. In Word lässt sich mit Strg+F jedes der zwanzig Wörter systematisch durchsuchen. Frage dich bei jedem Treffer: Ändert sich der Sinn, wenn ich streiche? Fast immer lautet die Antwort: Nein.

Zweitens: Laut lesen. Füllwörter sind Sprachbremsen. Wenn du einen Absatz laut liest und ins Stolpern gerätst, liegt oft ein Füllwort-Problem vor.

Drittens: Abstand gewinnen. Lass deinen Text mindestens 48 Stunden ruhen, bevor du die Füllwortsuche beginnst. Mit frischen Augen erkennst du Blähwörter, die du beim Schreiben für notwendig hieltest.

Checkliste: Füllwörter konsequent streichen

Alle 20 häufigsten Füllwörter via Suchfunktion geprüft

Bei jedem Treffer aktive Entscheidung getroffen (streichen oder belassen)

Bewusste Hedging-Markierungen von gedankenloser Abschwächung unterschieden

Text mindestens 48 Stunden zwischen Entwurf und Überarbeitung ruhen lassen

Nach der Streichung laut gelesen: fließt der Text besser?

Gesamtlänge vor/nach Überarbeitung verglichen (Zielwert: 10–15 % kürzer)

Zitate unverändert belassen

Merke:

Füllwortstreichung ist mechanisch lösbar. Die Suchfunktion findet, was das geschulte Auge übersieht.

Fazit: Weniger ist präziser

Füllwörter sind der häufigste stilistische Ballast in wissenschaftlichen Arbeiten. Die zwanzig hier vorgestellten Wörter findest du in nahezu jedem Rohentwurf. Die gute Nachricht: Ihre Identifikation ist mechanisch lösbar, ihre Streichung schmerzlos und der Gewinn an Präzision erheblich.

Mit dieser systematischen Überarbeitung gewinnst du nicht nur Zeichen, sondern Klarheit. Und Klarheit ist das, was wissenschaftliche Texte von unverbindlichem Geschwafel unterscheidet.

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